Ich gehöre zu der Generation und der sozialen Gesellschaftsschicht, für die es immer normal war, mindestens einmal im Jahr Urlaub zu machen. Für meine Generation war Reisen ein Statussymbol und je weiter weg oder länger die Reise, desto besser. Ja, meine Generation gehört nicht zu den Klimarettern… Für das Thema war neben dem ganzen Reisen irgendwie keine Zeit.

Na, ich will nicht zu kritisch sein, denn ich gehöre ja dazu. Ich ging in den USA zur Schule, rettete Schildkröten in Guatemala, surfte auf dem Roten Meer, glitt auf meine Skiern die Alpen hinunter, ritt auf einem Kamel durch die indische Wüste und aß die besten Reisnudeln in China.

Und seit einem Jahr: Stillstand. Der Aufschrei: groß.

Worauf soll man sich denn jetzt freuen, während man so durch den trüben Alltag in einem Winterdeutschland schlurft? Wie kann man sich von der Bedeutungslosigkeit absetzen und seinem Leben zumindest den Anschein eines Sinns geben?

Und so drehte sich auch das Gespräch mit einer guten Freundin letztens schnell um das Thema Sommerurlaub und ich fragte mich: warum ist der Sommerurlaub eigentlich so wichtig für uns?

Meine Yogalehrerin Tara Stiles sagte immer: erschaffe dir ein Leben, von dem du keinen Urlaub brauchst. Na, die hat leicht reden, ihr Job führte sie ja auch ständig auf Reisen durch die Welt. Nichts desto trotz steckt hinter dem Satz ein wichtiges Prinzip.

Denn allzuoft steckt hinter dem Urlaubswunsch doch auch eine Unzufriedenheit mit dem Alltag. Das Bedürfnis nach Abwechslung, Ruhe, Aufregung, Entspannung – eben etwas anderes, als dass, was wir täglich erleben.

Das bringt mich dazu, diesen Artikel zu schreiben: Wie du trotz Corona deinen Sommerurlaub planen kannst. Ich möchte dir zwei Fragen und einen Tipp mit auf den Weg geben und dich zum nachdenken anregen.

Verstehe, welche Gefühle für dich hinter dem Wort „Urlaub“ stecken

Du hast viele Ziele und Träume! Aber weißt du eigentlich, warum du diese Ziele und Träume hast? Weißt du, welche Grundbedürfnisse dahinter stecken? Welche Gefühle sie erzeugen sollen?

Danielle Laportes Buch Desire Map handelt davon, wie man herausfinden kann, warum wir uns wünschen, was wir uns wünschen. Hinter unseren Wünschen stehen die eigentlichen Bedürfnisse nach Gefühlen, die wir uns in unserem Leben wünschen.

Beispiel: ich wünsche mir einen Urlaub mit der ganzen Familie in Italien. Dahinter steckt vielleicht der Wunsch, sich frei, ausgeglichen, und abenteuerlustig zu fühlen, wie vielleicht in früheren Urlauben. Oder wir suchen nach Nähe und Verbundenheit mit unserem Partner, unseren Kindern, wollen zufriedener als Eltern sein, da wir unseren Kindern Abwechslung bieten.

Was steht wohl hinter deinem Wunsch nach Urlaub? Welches Ziel verfolgst du eigentlich? Welche Gefühle stecken dahinter?

Wenn du weißt, welche Gefühle sich hinter deinem Urlaubswunsch verbergen, bist du einen großen Schritt weiter.

Wie kannst du deine Wunschgefühle besser in den Alltag holen?

Nun, da du weißt, welche Grundgefühle du durch den Urlaub erzeugen möchtest, kannst du dir ganz praktisch überlegen, wie du diese Gefühle auch in deinem Alltag erzeugen kannst.

Freiheit kannst du vielleicht damit erreichen, dir einen freien Nachmittag pro Woche zu gönnen, an dem du nichts planst und alles machen kannst, was du möchtest. Deine Abenteuerlust kannst du über das Lesen und Lernen über andere Länder befriedigen, oder durch das Ausprobieren neuer Rezepte aus anderen Kulturen. Ist es die Nähe zu deiner Familie, nach der du dich sehnst, kannst du vielleicht durch eine „kein Handy nach 19:00 Uhr“-Regel dafür sorgen, dass ihr in der Familie bessere Gespräche führt oder mal wieder ein Brettspiel spielt, statt vor dem Handy zu sitzen.

Oft liegen die Antworten auf unsere Bedürfnisse so nah, aber wir trauen uns nicht, diesen einen Schritt zu gehen. Es ist einfacher, eine große Reise zu planen, als den Mann darum zu bitten, dir einen Nachmittag pro Woche die Kinder abzunehmen, oder einen Babysitter zu organisieren. Den Teenagern nach 19:00 Uhr das Handy zu verbieten, wird sicherlich zu Beginn viel Diskussion auslösen. Dafür haben wir keine Energie übrig. Aber die Antworten auf unsere Herausforderungen liegen meistens so nah.

Was, wenn – Pläne machen

Solltest du nun neben den kleinen Anpassungen im Alltag trotzdem deinen Sommerurlaub nicht missen wollen, habe ich auch dafür eine Idee. Sollte für dich der Vorteil einer Planung des Sommerurlaubs den Nachteilen der derzeitigen Situation (Stress und Unsicherheit in der Planung!) überwiegen, so ist meiner Meinung nach ein hohes Maß an Flexibilität notwendig. Keiner kann vorhersagen, wie die Situation der Pandemie im Sommer wirklich aussieht.

Solltest du einen Sommerurlaub anstreben, ist meine Empfehlung, dir schon heute zu überlegen: was sind deine Bedingungen und was machst du, wenn x oder y eintritt?

  • Bei welcher Inzidenz in deinem Wohngebiet fühlst du dich noch wohl, auf Reisen zu gehen?
  • Wie sollte der Inzidenzwert in der Urlaubsregion aussehen?
  • Wo willst du Urlaub machen? Wie kannst du Hygienekonzepte und Abstandsregelungen am sichersten einhalten?
  • Was machst du stattdessen, wenn dein Wohngebiet zur Urlaubszeit im Lockdown ist?
  • Was machst du, wenn die Urlaubsregion im Lockdown ist?

Mit diesen Was, wenn..– Plänen kannst du dich gedanklich auf eventuelle schwierige Situationen vorbereiten, statt heute alle Hoffnung auf den einen Sommerurlaub zu setzen, der dann vielleicht doch nicht stattfindet.

Ich hoffe, dass diese 3 Punkte dich zum nachdenken anregen. Woher kommt eigentlich dein Wunsch nach Urlaub wirklich und was sind die Bedingungen, die es braucht, damit du deinen Sommerurlaub auch genießen kannst?

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen möglichst entspannten Sommer. Heute kann keiner vorhersagen, wie er sein wird. Aber ich kann mich flexibel halten, überlegen, welche Bedürfnisse ich habe und wie ich die auch heute schon befriedigen kann.

Corona zeigt uns meiner Meinung nach, wie wir in unserem Hier und Jetzt die Antworten für das finden, was wir vorher im woanders und im Neuen gesucht haben.