In unserem Sommerurlaub war ich ein paar mal Laufen und es hat mir wirklich gut getan. Ich war die ersten Male richtig froh und habe mich einfach nur sehr gut gefühlt. Dann hatte ich die tolle Idee, mir ein ehrgeiziges Ziel zu setzten, um mich zu motivieren: ich könnte doch einen Marathon laufen. Das passt doch auch gut zu meinem Coaching. Vielleicht eine neue Zielgruppe? Und prompt habe ich mir die folgende „Sportgeschichte“ erzählt: ich muss jetzt laufen, damit ich einen Marathon schaffe, weil ich sonst keine Kunden bekomme (ja, so funktioniert mein Gehirn :). Das Ergebnis: viel weniger Freude am Laufen und ein Riesen-Streit mit meine Freund und meiner Schwester, die mich beide für verrückt erklärten und mir somit den Spiegel vorhielten, dass ich gerade mal wieder komplett das Gegenteil von dem mache, was ich die ganze Zeit so erzähle.

Wir alle wissen, dass Sport bzw. Bewegung zu einem gesunden Leben dazugehört, aber wie das dann aussieht, kann sehr unterschiedlich sein.

Ich sehe 3 Typen von Sportlern:

Diejenigen, die sich immer wieder aufraffen müssen, um ins Fitness-Studio oder Joggen zu gehen, und dies eher sporadisch als regelmäßig schaffen, da es ihnen gar nicht so richtig Spaß macht.

Diejenigen, die fast religiös kein Workout ausfallen lassen, egal, wie sie sich gerade fühlen, vielleicht, weil der nächste Wettkampf schon bald auf sie wartet.

Diejenigen, die mit Leichtigkeit und Freude Sport und Bewegung in ihren Alltag integrieren, weil es Ihnen wirklich Freude macht und gut tut.

Welcher dieser 3 Typen ist nun der nachhaltigste?

Typ 3 natürlich, ok, wohl keine schwere Frage, oder? Aber zu welchen dieser Typen gehörst du?

Ich für meinen Teil bin in verschiedenen Lebensphasen schon mal in jeder dieser Phase gewesen. Ich hatte Phasen, da habe ich wochenlang keinen Sport gemacht, weil es mir nicht so richtig Spaß gemacht hat. Ich hatte Phasen, da habe ich sehr viel trainiert, weil ich zum Beispiel unbedingt einen Triathlon machen wollte. Und es gab Phasen, da gehörte es einfach dazu, weil es Spaß gemacht hat, zum Beispiel als Kind im Turnverein, wo man gleichzeitig seine Freunde getroffen hat.

Was ist nun der entscheidende Faktor dabei?

Wie wir uns dabei wirklich fühlen, wenn wir es machen. Und dieser Punkt ist auch dafür entscheidend, ob uns der Sport, den wir betreiben gut tut, oder nicht. Und das kann man daran sehen, was für eine „Sportgeschichte“ wir uns dabei erzählen.

Im Fall Typ 1 ist es wahrscheinlich so, dass der Sport oder die Bewegung, die wir uns gesucht haben, uns gar nicht richtig viel Spaß macht. Vielleicht denken wir, wir sind nicht gut genug. Vielleicht macht sie einfach wirklich keinen Spaß. Wir denken aber auch, dass wir es eigentlich mögen sollten, weil andere es ja auch machen, und bekommen dann gleich noch ein schlechtes Gewissen und fühlen uns schlecht. Keine gute Ausgangslage für mehr Bewegung im Alltag.

Im Fall von Typ 2 ist es so, dass der Sport zu etwas sehr Wichtigem geworden ist. Er gibt uns vielleicht Identität und ohne ihn wären wir nicht die gleiche Person. Und der Sport ist vielleicht auch so wichtig, dass wir manchmal gar nicht mehr so gut darauf hören, wonach wir uns eigentlich fühlen. Denn wir wissen ja, dass Sport uns gut tut und dann wird er auch gemacht, komme was wolle.

Typ 3 ist da anders. Sie hat wirklich Spaß beim Sport, weil sie sich dabei rundum gut fühlt. Es ist das, was sie machen möchte und sie macht es auch (meistens) nur dann, wenn sie Lust dazu hat. Aber da es ihr sehr viel Spaß macht, hat sie fast immer Lust dazu. Sie verkrampft auch nicht beim Training sondern geht mit dem Flow.

Was kann ich nun tun, um mehr wie Typ 3 zu sein?

Nun, das hängt natürlich davon ab, mit welchem Typ du dich am ehesten identifizierst. Gehörst du eher zu Typ 1 empfehle ich dir, mal wirklich zu hinterfragen, welche „Sportgeschichte“ du dir eigentlich erzählst. Sagst du dir: ich bin einfach nicht sportlich, ich bin einfach nicht gut genug, ich sehe nicht sportich aus, ich kann es nicht? Dann sei doch erstmal bitte etwas netter zu dir und mach dich nicht so fertig. Es gibt niemanden, der wirklich unsportlich ist. Welches Kind hat früher nicht gerne auf dem Spielplatz gespielt? Wir alle fühlen uns gut, wenn wir uns bewegen, wenn wir dabei nett zu uns sind. Und dann mache etwas, wobei du dich gut fühlst. Es reicht doch erstmal ein Spaziergang, oder vielleicht eine Runde Tischtennis oder Bowling. Und dann probierst du weiter, schaust wie du dich fühlst, wenn du dich bewegst und wie es dir danach geht. Und am Besten suchst du dir einen Sport in Gemeinschaft mit anderen – das motiviert ungemein, wenn wir aufhören, uns mit anderen zu vergleichen. 

Wenn du das machst, was sich gut anfühlt, kann es sich auch hinterher nur gut anfühlen, denn dann wird bei der Bewegung jede Menge Serotonin ausgeschüttet, das dich automatisch gut fühlen lässt!

Wenn du zu Typ 2 gehörst – du glaube mir, ich kenne das gut – rate ich dir , ebenfalls mal zu hinterfragen, welche Rolle Bewegung wirklich in deinem Leben spielt und warum du so viel Sport machst. Sportich sein ist ja etwas durchaus positives, aber wenn du dabei viel Energie aufwenden musst, um es zu tun, wird eher Cortisol ausgeschüttet (das Stress-Hormon) und weniger Serotonin und gleich macht es weniger Spaß und tut dir nicht mehr so gut. Was ist also deine „Sportgeschichte“, die du dir erzählst? Wenn ich den nächsten Wettkampf schaffe, bin ich ein besserer mensch, werden mich mehr Menschen mögen, habe ich verdient zu entspannen? Auch hier sage ich: sei auch du mal wieder nett zu dir selbst. Du musst uns und dir nichts beweisen. Du musst dir nichts verdienen. Mit dieser Einstellung erzeugst du nur viel unnötigen Stress. Und ich verrate dir ein Geheimnis: damit kommst du nicht weit. Ja, wir können eine Menge aushalten und uns wirklich gut daran gewöhnen uns ständig zu pushen und mit dem Kopf Dinge durchzusetzen.

Aber wenn du wirklich viel erreichen willst, geht das viel einfacher und mit viel mehr Freude, wenn du etwas machst, dass sich richtig gut anfühlt. Und wenn du dabei entspannst und dem Prozess vertraust. Wenn du im Einklang mit dir bist – und das bist du, wenn es sich gut anfühlt – dann werden die Dinge, die du tust, plötzlich einfach. Und machen Spaß. Und weißt du was: das ist total erlaubt.

Letztes Wochenende war ich bei einem Strala Yoga Workshop in London und dieser war eine gute Erinnerung daran. Strala Yoga steht für genau das: tue nur etwas, dass sich gut anfühlt, und davon dann richtig viel. Und wenn du loslässt und entspannst, klappen plötzlich Dinge, die vorher vielleicht nicht geklappt haben, trotz deinem ehrgeizigen Trainingsprogramm. Mit dieser Einstellung schaffe ich mit Leichtigkeit einen Handstand beim Yoga, was nicht klappt, wenn mein Kopf mir sagt, dass ich jetzt doch bitte mal einen guten Handtsand mache. Und das werde jetzt auch mal beim Laufen ausprobieren. Was passiert, wenn ich nur Laufe, wenn es sich gut anfühlt?