Zugegeben, der Titel ist etwas reißerisch, aber so weit hergeholt ist es nicht, wenn man sich ein wenig in die Thematik Schlaf einliest. In diesem Blogartikel teile ich mit dir, warum ich zu diesem Gedanken gekommen bin und was ich in den letzten Monaten aus einem Selbstexperiment über Schlaf gelernt habe.

Auf die Frage hin, ob eine Verbesserung der Schlafqualität ein Thema für meine Klientinnen sein könnte, an dem sie arbeiten möchten, antworten die meisten mit: ich schlafe schon genug, denke ich.

Was genau heißt denn eigentlich genug schlafen? Im Internet ein heiß diskutiertes Thema. Viele Prouduktivitäts-Junkies behaupten ja, wer mehr als 4-5 Stunden schläft, verpasst viele Chancen und die meisten YouTube Influencer überbieten sich derzeit mit ihren perfekten Morgenroutinen. Es begann mit 6:00 Uhr aufstehen, dann war es 5:30, dann 5:00 Uhr und sogar 4:30 habe ich schon gesehen.

Für einen Normalo wie mich heißt das ja im Umkehrschluss: wenn ich bis 7:00 Uhr morgens im Bett bleibe, bin ich quasi schon faul. Daher muss die Menge an Schlaf ja ausreichend sein, die ich schon bekomme, wenn ich nach 6 Uhr aufwache. Oder?!

Eike Feldmann

Im Januar 2021 habe ich einen Selbstversuch zum Thema Schlaf gestartet. Definitiv beeinflusst von meinem Partner, der seit Jahren ohne Wecker aufsteht, wollte auch ich meinen natürlichen Schlafrhythmus finden. in meinem eigenen 90Days Programm war das verfolgen meiner Schlafzeiten und Schlafqualität daher ein fester Bestandteil.

Die Lektüre des Buches „Why we Sleep“ von Matthew Walker bekräftigte dann meinen Entschluss, denn er erläuterte aus wissenschaftlicher Perspektive, warum Schlaf wirklich essenziell für uns ist und wie wir seiner Meinung nach hier wirklich ein großes gesellschaftliches problem haben, da wir diese Wichtigkeit unterschätzen.

Warum uns unsere frühe Morgenroutine umbringt? Nach Walker, weil wir unausgeschlafen leichter Unfälle bauen. Im Auto, bei der Arbeit. Und warum ausgerechnet Ärzte z.B. so unmenschliche Schichtdienste abliefern müssen, obwohl sie diejenigen sind, die im Zweifel unser Leben retten sollen, ist mit dieser Perspektive durchaus fraglich.

Aber zurück zu meinem Selbstversuch.

Mein Plan: ich ging (und gehe meistens immer noch) zwischen 10:00 und 11:00 ins Bett und wache so oft es geht ohne Wecker auf. Dank meine Selbstständigkeit konnte ich dies größtenteils umsetzen. Zudem verfolgte ich meinen Schlaf mit einem Fitness-Tracker.

Aus diesem Selbstexperiment habe ich folgende Erkenntnisse für mich gewonnen.

Mein Schlafbedarf beträgt 8h+

Was mir mein Schlafexperiment gezeigt hat ist, dass ich definitiv 8h+ als natürlichen Schlafbedarf habe. Das beinhaltet nicht die 1h+ die ich Nachts insgesamt wach bin. Dies sehe ich dank meines Fitness-Trackers. Zudem ist mein Schlafbedarf bei höherer körperlicher oder geistiger Belastung weiter erhöht.

Im Idealfall gebe ich mir daher eine Bettzeit (nicht Schlafzeit) von 9-10 Stunden, damit ich mein natürliches Schlafpensum decke. Das bedeutet, wenn ich um 10:00 Uhr ins Bett gehe, dass ich idealerweise bis 8 Uhr morgens schlafen kann.

Zugegeben, dieses Idealszenario erreiche ich selten und schon gar nicht eine Woche lang jeden Tag. Die Auswertung der letzten Wochen zeigt, dass ich durchschnittlich zwischen 7 bis 7,5 h schlafe (sprich 8 – 8,5 h im Bett liege) und meine durchschnittliche Schlafqualität zwischen 76 und 80% liegt. Kein schlechter Schnitt würde ich behaupten.

Ich habe keine Angst mehr davor, zu viel zu schlafen

Es ist einer der komischsten Gedanken, den ich durchbrechen musste, aber ich hatte tatsächlich mehr Angst davor, zu viel zu schlafen, als zu wenig. Biologisch gesehen ist das absoluter quatsch und tatsächlich höchst gefährlich. Daher habe ich auch den Titel bewusst so gewählt: der Wettlauf um die perfekteste und am besten früheste Morgenroutine ist heute in meinen Augen einer der dümmsten Dinge, die wir machen können.

Dank meines Selbstexperiments habe ich für mich herausgefunden, was wach sein wirklich bedeutet. Seither weiß ich auch, wie gefährlich und unproduktiv ich oft war, weil ich nicht genug geschlafen habe. Ob es die Autofahrt zur Arbeit war, die fahrlässig ist wenn man zu müde ist oder die Gereiztheit, oder einfach unproduktive Arbeitszeit. Mein frühes Aufstehen hat mir eine Menge Kreativität und Kapazität genommen. Das weiß ich heute besser.

Viel Bewegung hilft beim Schlafen, erhöht aber auch den Schlafbedarf

Parallel zu meinem Schlafexperiment habe ich ebenfalls begonnen, täglich Workouts zu machen. Ich sehe es immer wieder sehr deutlich an meinem Tracker: wenn ich mich sehr viel bewege, ist mein Schlafbedarf auch größer. Es macht ja sich Sinn: der Körper braucht länger um sich zu regenerieren. Der Schlaf ist gleichzeitig oft erholsamer.

Ich weiß, wie es sich anfühlt, ausgeruht zu sein

Ich habe erfahren, wie ausgeglichen und positiv ich bin, wenn ich wirklich ausgeruht bin. Das hat Einfluss auf mein Essverhalten, meine Aktivitäten den Tag über und definitiv auf meine Laune. Selbstzweifel und Stress sind weniger vorhanden, Dinge laufen einfach entspannter. Es gelingt mir noch nicht regelmäßig, aber immer öfter.

Meine Schlafqualität hat einen wesentlichen Einfluss auf meine Lebensqualität

Es macht irgendwie Sinn, aber hören wollen wir es trotzdem nicht: können wir uns gesund schlafen?

Natürlich ist Schlaf kein alleiniges Allheilmittel, aber in einer produktivitätsgetriebenen Gesellschaft, die zu viel isst und zu wenig Zeit für Bewegung und Schlaf hat, ist Schlaf oft etwas, auf das gerne verzichtet wird, weil einfach zu wenig freie Zeit da ist.

Gönnen wir uns genug Schlaf, steigt die Laune, sinkt der gefühlte Stresspegel und vor allem sind wir ausgeglichener. Damit können wir der teuflischen Stressspirale entgegenwirken.

Die Stressspirale: Zu wenig Schlaf, zu viel Hunger auf Zucker und Fett, der Griff zu ungesunden Lebensmitteln, keine Lust auf Sport, zu lange auf der Couch hängen, zu spät ins Bett, zu wenig Schlaf…

Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig zum nachdenken anregen. Falls du dich weiter mit dem Thema auseinandersetzen möchtest, kann ich die diesen ted Talk von Matthew Walker ans Herz legen:

In meinem Patreon diese Woche teile ich mit dir einen Schlafprotokoll, mit dem du dein eigenes Schlafexperiment umsetzten kannst, selbst, wenn 8, 9 oder 10 Stunden Bettzeit für dich zunächst unrealistisch erscheinen.

Bei meinem Praxisabend am 20.08. diskutieren wir dann gemeinsam über Schlaf, was uns im Weg steht bzw. wie wir mehr davon in unseren Alltag integrieren können. Komm gerne dazu, ich bin auf deine Erfahrungen sehr gespannt. Anmeldung hier.

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