Letzte Woche führte ich ein Gespräch mit einer Klientin über ihre Zukunftsplanung. Sie fragte mich, welche Auswirkungen die Entscheidung zu einer Doktorarbeit in einem sehr medizinischen Feld wohl auf ihre Chancen für eine Karriere in der Pharmaindustrie in 5 bis 10 Jahren haben würde. In meinem Umfeld berate ich einige Apothekerinnen, was natürlich meiner eigenen Ausbildung geschuldet ist. Und natürlich gibt es hier ein paar ganz handfeste Ratschläge, die ich hätte geben können. 
Aber war diese Frage wirklich dieser technischen Natur? 


Während die Betrachtungsweise des 5-10 Jahreshorizonts eine hilfreiche Perspektive bieten kann, zum Beispiel bei der Frage: „wenn ich heute nicht zum Sport gehe, was bedeutet es dann für meine Gesundheit in 5 oder 10 Jahren?“, finde ich diese Frage bei der Karriereplanung meist eher hinderlich. Wir haben keine Möglichkeit wirklich herauszufinden, welche Konsequenzen unsere Entscheidungen heute in 5 – 10 Jahren haben werden oder, ob wir in 5-10 Jahren überhaupt noch die gleichen Ziele haben wie heute. Zudem finde ich, wenn man sich immer an das hält, was andere vor uns gemacht haben, um ein fixes Ziel zu erreichen, dann befürchte ich, verpasst man die besten Chancen, die sich immer spontan entlang des Weges ergeben. 


In diesem Gespräch ging es weniger um die tatsächliche Frage nach den Konsequenzen der Entscheidung für oder gegen eine Doktorarbeit, es schien mir eher eine Erlaubnisfrage zu sein. 
Wenn ich diesen eher unkonventionellen Schritt gehe, auf den ich mich richtig freue, der meine Leidenschaft ist, für den ich richtig brenne – wie komme ich dann trotzdem an das Ziel XY? Darf ich das? 


Ich kenne diese Gedanken nur zu gut von mir selbst. Sie kamen immer dann, wenn ich kurz davor stand, etwas Neues auszuprobieren, wenn ich den „klassischen Pfad“, so wie ich ihn mir vorstellte und um mich herum sah, verlassen habe. Wieso mache ich jetzt  eine Coachingausbildung, ich bin doch Apothekerin in der Pharmaindustrie?
Ich habe mir diese „Umwege“ am Ende immer erlaubt und es nie bereut, sie gegangen zu sein. Zu meiner eigenen Überraschung haben Sie meist meine Arbeitsleistung und Karriere positiver beeinflusst, als jede „Karriereschulung“, die ich je gemacht habe. Am Ende konnte ich sehen, dass es keine Umwege waren, sie waren der Schritt hin zu meinem eigenen Pfad. Irgendwann darf man den Pfad, den alle gehen, auch verlassen.
Dies hat im Ursprung viel mit unserer eigenen Identität zu tun, aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel.


Unser Leben ist kurz und am Ende finde ich es wichtig, etwas zu machen, für das man selber brennt. Natürlich spricht da jetzt auch viel Privileg aus mir heraus, jedoch glaube ich, ist es mehr die Einstellung, mit der wir den Herausforderungen unseres Lebens begegnen, sowie der Erlaubnis für uns selbst, die Dinge zu machen, auf die wir Lust haben, auch wenn wir heute noch nicht wissen, wohin sie uns wirklich führen werden. 
Ich möchte heute ein kleines Tool mit dir teilen, mit dem ich seit einiger Zeit mein Leben und meine Karriere plane.  Ich finde den Gedanken an eine 5-10-Jahresplan meist etwas beängstigend und denke, es macht wesentlich mehr Sinn, sich auf den direkten Zeithorizont vor einem Jahr zu konzentrieren. 


Es ist natürlich immer mal hilfreich, sich auch an die 5- bis 10-Jahresvision heranzutrauen, aber mein Tool, welches ich heute mit dir teile, ist eine konkrete Anleitung dazu, wie du mit dem Zeithorizont von 1 bis 12 Monaten arbeiten kannst, um die selber den Druck zu nehmen, heute schon wissen zu müssen, wo du in 5 Jahren sein willst. 

Die 1-3-1-6 Methode


Wir wollen am liebsten den 10 Jahresplan haben, dabei wissen die meisten von uns doch noch nichtmal, was wir morgen Essen. 
Veränderungen, egal ob am Ende des Studiums, zum Ende der Doktorarbeit oder zur Neuorientierung nach 10 Jahren im Job – wir wissen nicht, wie die Karriere verlaufen wird, wen wir kennenlernen, wie sich die Wirtschaft entwickelt und welche Chancen sich auftun oder welche Türen sich schließen werden. Wir können nichts kontrollieren, was außerhalb von uns liegt.
Wir können nur beeinflussen, was wir heute machen. Wir können auch beeinflussen, ob wir uns trauen, unsere eigenen Wünsche über unsere Zukunft überhaupt zu denken, aufzuschreiben und auszusprechen. Dabei gibt es keine Garantie, dass sie jemals wahr werden, aber wenn man sie nicht einmal ausspricht, wird die Chance sicher nicht größer. Das ist der Grundgedanke der Methode.

Schritt 1: 1 Monat von heute

Im ersten Schritt geht es darum, dass du dir überlegst: was möchtest du in einem Monat von heute erreicht haben? Was möchtest du gemacht haben, erledigt haben, geschaffen haben?
Das können einfache Dinge sein wie: 

  • ich habe wieder mit dem Laufen angefangen 
  • ich habe ein Buch gelesen
  • ich habe endlich den Termin beim Zahnarzt gemacht (den ich schon so lange vor mir her schiebe) 

Was auch immer bei dir gerade ansteht, privat, beruflich, ganz egal. Alles, was in dem nächsten Monat dran ist, wird aufgeschrieben und gemacht. 

Schritt 2: 3 Monate von heute


Hier geht es jetzt schon ein bisschen an die Zukunftsträume. Was möchtest du in 3 Monaten erreicht haben? Wer möchtest du sein, was möchtest du geschafft haben, was hast du erlebt?
Schreibe alle Dinge auf, die du dir für in 3 Monaten in deinem Leben wünscht. Das könnte sein:

  • ich bin 5km gelaufen 
  • ich habe 3 Bücher gelesen 
  • ich habe neue Bewerbungsfotos gemacht und meinen Lebenslauf überarbeitet (und jemand hat den auch Korrekturgelesen)
  • ich habe mir 3 neue Stellen rausgesucht und mich darauf beworben

Versetze dich in dein Wunsch-Ich 3 Monate von heute und schreibe alles auf, was für dich heute relevant ist.

Tipp:  Schreibe nicht ich möchte 3 Bücher lesen, schreibe: ich habe 3 Büchergelesen! Das ist ein wichtiger Unterschied für unser Gehirn bei der Ausführung der Wünsche.

Schritt 3: 1 Jahr von heute


Die Zukunftsplanung im überschaubaren Zeitraum ist abgeschlossen, nun überlege dir, was du in einem Jahr von heute erreicht haben möchtest. Frage dich wieder: wer möchtest du sein, was möchtest du geschafft haben, was hast du erlebt?

  • ich bin einen Halbmarathon gelaufen
  • ich habe 12 Bücher gelesen
  • ich habe einen neuen Job bei einer neuen Firma mit einem besseren Gehalt von x und netten neuen Kollegen
  • ich habe eine neue Wohnung in y

Es ist wieder alles erlaubt, beruflich wie privat, damit du siehst, ob deine privaten Ambitionen auch zu deinen beruflichen passen und sich nicht widersprechen. Wenn man zum Beispiel einen Marathon laufen will und zur gleichen Zeit umzieht und seinen Job wechselt, ist das wohl kaum eine Situation, in der man sich gut auf diese 3 Ziele gleichzeitig konzentrieren kann.
Wichtig: hier geht es nicht so sehr darum, genau zu planen was du tun musst, um dahin zu kommen. Es geht mehr darum, dir über deine Vision deines zukünftigen Ichs klar zu werden. Die Schritte dahin kommen dann, wenn es konkreter wird. 

Schritt 4: 6 (-11) Monate von heute


Im letzten Schritt schaust du dir deine Jahresziele sowie deine 1- und 3-Monatsziele nochmal an und prüfst für dich, ob das alles zusammenpasst und für dich stimmig ist. Jetzt überlegst du dir noch weitere Meilensteine für die 1-Jahresziele. Beispiel:Um in einem Jahr einen Halbmarathon zu Laufen, sollte ich in 6 Monaten 10 km locker laufen können und dann in 9 Monaten 15km.Wenn ich in 3 Monaten 3 Bewerbungen rausgeschickt habe, habe ich in 6 Monaten 12 weitere Bewerbungen rausgeschickt und hatte 4 Bewerbungsgespräche.Ich erwarte, dass ich in 7 Monaten einen neuen Job habe und kann mir dann eine neue Wohnung suchen. In 9 Monaten ziehe ich dann um. 

Hier triffst du auch ein paar Annahmen. Wenn ich x mache, ist es wahrscheinlich, dass y passiert. 
Damit hast du einen guten 12-Monatsplan. Du hast ganz konkrete Schritte für die nächsten 4 Wochen, eine detailliertere Richtung für die nächsten 3 Monate und ein paar Meilensteine und die grobe Richtung für die nächsten 6-12 Monate. Fertig.

Nicht ganz. Ja, der erste Plan ist fertig. Super. Herzlichen Glückwunsch. Du bist der Vision deines zukünftigen Ichs ein großes Stück näher gekommen.Diese Planung gibt dir eine Richtung und Klarheit darüber, auf was du dich heute fokussieren kannst. Damit kannst du aufhören darüber nachzudenken und ins machen kommen. 

Die wirkliche Magie der Methode entsteht aber dann, wenn du sie monatlich prüfst, überarbeitest, anpasst. Ich nutze dafür Trello (Werbung ohne Sponsorship) und meinen Kalender. Hier kann ich meinen Plan regelmäßig nachverfolgen, ergänzen und nachhalten. Jeden Monat wird der Monatsplan angepasst. Alle 3 Monate die 1 Jahresvision ergänzt. Und die Zwischenziele werden weiterverfolgt, verfeinert, verschoben. Je nachdem, was eben alles in der Zwischenzeit passiert.

Vielleicht bekommst du viel schneller einen neuen Job als gedacht oder entscheidest dich, doch in deiner Wohnung zu bleiben. Das ist ok. Ziele ändern sich, Visionen ändern sich, weil du dich änderst. Und das ist gut so. Genau aus diesem Grund bin ich kein Fan von der langfristigen Planung, finde aber die 1-3-1-6 Methode super hilfreich, um mich ständig zu fragen: ist der heutige Weg noch stimmig?

Wenn du die Methode ausprobiert hast, schicke mir gerne ein kurzes Feedback, wie es für dich war! Und ich wünsche dir, dass du dir erlaubst, auch deine wildesten Träume zu verfolgen! Lass dich davon überraschen, wie gut dich die 1-3-1-6 Methode auf dem Weg dahin begleiten kann.