Ich wollte heute gar keinen Artikel veröffentlichen, aber durch das Schreiben verarbeite ich Gedanken und Gefühle gut. Und genau das brauche ich jetzt, nach den Geschehnissen der letzten Tage.

Wir haben alle die gleichen Dinge gedacht, die gleichen Worte verwendet. Seit Donnerstag leben wir in einer neuen Zeit. Wir können es noch immer kaum fassen, hätten nie gedacht, dass es soweit kommt. Dass so etwas tatsächlich im 21. Jahrhundert einfach so, und vor allem so schnell, passiert.

Wir werden uns immer daran erinnern, wo wir am Morgen des 24. Februar 2022 waren, als wir vom Krieg in der Ukraine, in Europe, erfahren haben.

Ich habe morgens kurz nach dem Aufstehen, nach einer kleinen Runde Tai Chi, mit einer Tasse heißem Wasser, wie jeden Morgen den Fernseher angemacht, um Nachrichten zu schauen. Das ist unser kleines Morgenritual, seit Marcel und ich zusammenwohnen. Marcel hatte am Mittwoch eine späte Show und lag daher noch im Bett und schlief, als ich die ersten Bilder vom Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine im Fernseher sah.

Auch du weißt vermutlich genau, wann du das erste mal vom Krieg gehört und die ersten Bilder gesehen hast. 

Es folgte ein Tag in Fassungslosigkeit und Trauer. Ja, ich habe am Donnerstag auf der Couch angefangen zu weinen. Das passiert bei mir oft. Ich trage mein Herz eben offen und solche Momente, wenn ich sie wirklich an mich ranlasse, wirken stark in mir.

Ich bin mir sicher, sie wirken auch stark in dir, ob du es spürst oder nicht.

Freitag folgten vor allem Angst und Wut, nachdem die Geschehnisse sich überschlugen und der Angriff sich einfach immer weiter ausweitete.

Am Samstag bewegten mich die Bilder und Worte der Solidarität in der ganzen Welt. Seither verspüre ich auch die Hoffnung, dass unsere Menschlichkeit doch stärker ist, als der Wahn eines einzelnen Despoten. Und Hoffnung, dass uns die Geschehnisse als internationale Gemeinschaft stärker machen. 

Diese Hoffnung trägt mich durch den Sonntag. Dabei bin ich auch immer wieder im Spüren. Durch meine Tai Chi und Yoga Praxis, die ich derzeit täglich priorisiere, spüre ich, wie die Anspannung in meinem Körper seit Donnerstag gestiegen ist. Wie meine Gedanken abdriften, mir eine ruhige und tiefe Atmung schwerer fällt, als vorher. Wie meine Stimmung nicht mehr ganz so optimistisch und fröhlich ist, wie noch Anfang der Woche, als ich meine neuen Yogastunden veröffentlicht habe. Meine Stimmung, wie mein Körper, empfinden eine Last. Eine Schwere. Eine Trauer.

Durch meine Praxis kann ich zumindest vorübergehend etwas Leichtigkeit zurückholen und mich dabei unterstützen, gute Entscheidungen für mich zu treffen. Wegnehmen kann ich die Schwere nicht.

Ich denke, das ist auch gar nicht das Ziel dieser Praxis. Es geht bei Yoga, Meditation und Achtsamkeit nicht darum, seine Wunschwelt zu „manifestieren“. Es geht eigentlich darum, die Realität, in der wir leben, etwas erträglicher zu gestalten, indem wir mit uns und dem geschehenen Frieden schließen. Indem wir selber dafür sorgen, dass wir unter all dem, was schlecht ist auf dieser Welt, was unfair ist und brutal, trotzdem selber noch atmen können und die Zuversicht nicht verlieren.

Hier entscheidet sich Krieg und Frieden im Kern. Jeder einzelne von uns entscheidet sich täglich im Umgang mit sich selbst, auf welcher Seite er*sie steht. Lassen wir uns von Angst, Wut und Trauer lähmen, oder entscheiden wir uns trotz allem für Hoffnung und Zuversicht und glauben an uns?

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