Puh, Ernährung. Ein komplexes Thema. Viel gibt es dazu zu schreiben. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, eine 3-teilige Serie zu diesem Thema zu veröffentlichen.

  • In Teil 1 widme ich mich meiner persönlichen Geschichte und Weiterentwicklung zum Thema Ernährung.
  • In Teil 2 schreibe ich ein wenig über die Basics und Theorien, die mir geholfen haben, dieses komplexe Thema besser zu verstehen.
  • In Teil 3 wird es dann sehr praktisch. Ich teile mit dir, wie ich meine Ernährung im Alltag organisiere und gebe ein paar Tipps, wie auch du eine ausgewogene Ernährung in deinen Alltag integrieren kannst.

Vorab eine Anmerkung:

Es ist schwer, über das Thema zu schreiben, ohne Trigger auszulösen. Ich war nie wirklich deutlich unter- oder übergewichtig und ich war auch schon immer recht sportlich und mit einer guten Verdauung gesegnet. Es ist mir wichtig zu sagen, dass es bei dem Thema grundsätzlich kein richtig und falsch gibt. Es ist meine Intention, hier meine persönlichen Erfahrungen und meine wichtigsten Schlüsselmomente mit dir zu teilen. Jeder von uns hat seine eigenen Erfahrungen gemacht. Es gibt bestimmt oft Parallelen, aber was für den einen z.B. „zu viel“ ist, mag für den anderen „genau richtig“ sein. Ich möchte einen möglichst bewertungsfreien Raum schaffen und hoffe, dass es mir gelingt.

Kindheit und Studium

Aber erst mal zu meiner eigenen Geschichte. Ich bin, wie viele in meiner Generation, in einem Haushalt aufgewachsen, wo meine Mutter die Zeit hatte, jede Mahlzeit frisch zuzubereiten. Selbstgekochtes Essen war also schon von klein auf völlig normal für mich. Es gab dabei immer eine Reihe interessanter Kochbücher in der Küche meiner Mutter. In der Grundschule machten wir Knäckebrot selber, selbstgebackenes Brot gab es ständig, frische Kuchen und Torten sind bis heute die Spezialität meiner Mama und von Cholesterinarmer Ernährung über Vollkornküche bis hin zu Weight Watchers wurde alles mal ausprobiert.

Als ich während meines Pharmaziestudiums in einer WG lebte, wurde mir klar, dass nicht jeder so aufgewachsen ist. Während es vor allem aus Kostengründen für mich zu der Zeit normal war, mir mein Essen selber zu kochen, war meine Mitbewohnerin völlig sprachlos, da sie zu Hause nicht gelernt hatte, wie man kocht. Ihre Mutter hatte gearbeitet und Fertigessen war Ihre Normalität.

Vegetarisch oder Vegan?

Bereits in der Schulzeit, ich glaube mit 17, wurde ich Vegetarierin. Ich weiß gar nicht mehr genau, was der Auslöser war, aber es war vor allem aus moralischen Gründen. Ich blieb für eine ganze Weile Vegetarierin, aß aber teilweise Fisch. Mein Opa war Fischer und daher gab es zum Thema Fisch einfach keine Diskussion bei uns zu Hause.

Mit 23 verbrachte ich 2 Monate in Guatemala. Dort arbeitete ich bei einer Schildkröten-Station, die sich zur Aufgabe gemacht hat, den Olive Ridley Bestand an den Stränden G uatemalas zu schützen. Ich lernte durch dieses Projekt viel über den kommerziellen Fischfang und der tote „Beifang“ am Strand war leider nicht zu übersehen. Ich ernährte mich anschließend nur noch vegan.

Es war das Jahr 2008. In den damaligen Buchhandlungen musste man lange nach einem Kochbuch für Veganer suchen. Ich bestellte mein erstes cooles veganes Kochbuch über Amazon aus Kanada. Meinen Einkauf erledigte ich als arme Studentin im teuren Reformhaus. Auch der Biosupermarkt war gerade erst neu in Kiel und Mandelmilch gab es noch nicht im regulären Supermarkt. Ich studierte Pharmazie und musste endlose Debatten über Tierversuche führen. Als mir dann nur wenige Monate später meine Haare ausfielen und sich mein damaligen Freund von mir trennte, hatte ich genug vom „anders sein“. Das erste, was ich nach Jahren an Fleisch aß, war ein Hot Dog, gemeinsam mit meinen Eltern in Dänemark.

Keine Regel ist auch eine Regel

Von da an begann eine Periode, in der ich mir erlaubte, alles zu Essen, worauf ich Lust hatte. Keine Regeln und keine Verbote mehr. Das funktionierte für mich auch jahrelang einigermaßen gut. Jedoch war ich definitiv süchtig nach Schokolade und Gummibärchen, und so einigem mehr.

Der nächste Einschnitt kam 2014 in Indien. Mein Stresspegel stieg zunehmend und ich suchte nach Lösungen im Internet. Schnell stieß ich neben Yoga und Meditation auf das Thema Ernährung. Je mehr der Stresspegel anstieg und ich mich mit dem Thema auseinandersetzte, desto mehr merkte ich, wie schwer es mir fiel, auf Süßigkeiten zu verzichten.

Ich schrieb vor einigen Wochen hier auf meinem Blog bereits über meine Vorbilder aus dem Jahr 2015. Zu dieser Zeit las ich viel über den Zusammenhang zwischen Stress und Ernährung und war schockiert darüber, wie wenig ich in meinem naturwissenschaftlichen Studium darüber eigentlich gelernt hatte.

Ich begann auch damit auszuprobieren, was meine Vorbilder predigten. Zurück in Hamburg hatte mein neuer Mitbewohner einen Entsafter, aus Indien hatte ich mir einen Mixer mitgebracht und so wurde ich experimentierfreudiger in der Küche. Ich machte frische Säfte und Smoothies und kochte andere leckere Rezepte. Aber mein Heißhunger auf Zucker ließ sich dadurch nicht in den Griff bekommen.

8 Wochen Zuckerfrei

Im Sommer 2016 machte meine damalige WG dann ein Projekt: 8 Wochen ohne Zucker, nach dem Programm von Sarah Wilson. Wir zogen es durch und erst hier merkte ich, wie sehr mein Essverhalten von meinen Emotionen und meinem Stresslevel abhingen – und Dank der Zuckerpause wurde ich auch viel sensibler, was Zucker anging.

Ich verbannte Zucker nicht vollständig aus meiner Ernährung, aß aber fort an sehr viel weniger davon. Bis heute habe ich seither zum Beispiel kein Nutella mehr gegessen. Es schmeckt mir einfach nicht mehr. Nur ein Beispiel von vielen.

Anschließend begann ich meine Health Coaching Ausbildung, wo ich noch eine Menge dazu lernen sollte. Hier kam dann auch die Kündigung meines damaligen Vollzeitjobs dazu. Statt Kantinenessen kochte ich immer mehr täglich frisch, und durch die Kombination aus neuem Job gepaart mit eigener Hausfrauenkost nahm ich ohne wesentlich mehr Sport oder Bewegung eine ganze Menge ab. Hier wurde mir richtig bewusst, wie sehr sich der Stress plus ungesunde Ernährung auch bei meinem Gewicht bemerkbar gemacht hatte.

Achtsamkeit und Ernährung

Ich war weiterhin nicht streng vegetarisch, obwohl das in der Yogaszene natürlich eher üblich war. Aber meine Ernährung war schon hauptsächlich pflanzlich geprägt, vor allem, weil ich nicht so recht wusste, wie ich Fleisch gut zubereiten konnte. Nach Jahren als Vegetarier hatte ich das nie so richtig gelernt und sah auch keine Notwendigkeit dazu. Durch meine stärker werdende Meditationspraxis lernte ich auch mehr und mehr die Kraft von Achtsamkeit beim Essen kennen. Aber erst 2019 während meines 10tägigen Schweigeaufenthalts sollte ich erfahren, was für einen Unterschied Achtsamkeit beim Essen machen kann. Insbesodnere die Schnelligkeit, mit der ich esse, sowie die Portionengröße – das war schon sehr erstaunlich.

Nach 10 Tagen in Stille meditieren, fast ohne Zucker, ohne Kaffee oder andere Leckereien, teilten meine Freundin Yvonne und ich uns ein Stück Kuchen und tranken einen Chai Latte. Wir beide lachten noch Stunden später über diesen Zucker- und Coffein-Rausch, den wir uns beide bescheert hatten. Bis dahin hatte ich es noch nie so deutlich gespürt, welchen Effekt beide Zutaten tatsächlich haben. Ein sehr einprägsames Ereignis, das mir verdeutlichte, wie viele Stressfaktoren täglich auf meinen Körper einprasseln, ohne das ich es überhaupt wahrnehme.

Es ist eben so: ich bin im Alltag meist viel zu abgelenkt und zu beschäftigt, um diese Abläufe im Körper wahrzunehmen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht passieren und mir täglich Energie rauben.

Das Whole30 Experiment

Im Januar 2020 kam dann mein bisher konsequentestes Experiment zum Thema Ernährung. Ich hatte schon vor einiger Zeit von dem Whole30 Programm gehört, mich bis dahin aber noch nicht getraut. Aber ich war neugierig und wollte jetzt wissen, ob es hielt, was es verspricht. Das Whole30 hat den Ruf, deine Ernährung nachhaltig zu verändern und so erging es mir dann auch. Food Freedom ist der claim, den die Mitgründern Melissa Urban vermarktet. Klingt sehr reizvoll, oder?

Also was passiert wirklich, wenn ich 30 Tage lang auf Zucker, alle Getreide, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, sowie Alkohol und jegliche Form von gebackenem und Junk Food verzichten würde? Durch dieses Projekt habe ich nicht nur neues Selbstbewusstsein und eine zeitweise echt schlanke Figur erlangt, sondern auch viel an Souveränität und Wissen zum Thema Essen dazu gewonnen. Im Anschluss an das Whole30 führt man jede Essensgruppe nach und nach wieder ein und beobachtet, ob und wie der Körper reagiert, nachdem man sie gegessen hat. Das ist der eigentlich wichtigere Teil. Ich hatte plötzlich Hautausschlag, nachdem ich Hummus aus dem Laden gegessen hatte und merkte, wie sehr Milchprodukte für Blähungen sorgen und Brot und Getreide sich wirklich schnell an der Hüfte absetzen.

Mittlerweile habe ich bereits 2 Whole30´s vollständig absolvierten. Einen 3. Versuch brach ich ab, da ich merkte, dass ich nicht ausreichend Kohlenhydrate aß. Das war während meines eigenen 90Days! Projektes, in dem ich sehr viel mehr Sport machte als die Jahre zuvor. Ich war nicht gewillt, die finanziellen Mittel aufzubringen, um die notwendigen Kohlenhydrate über die „erlaubten“ Lebensmittel zu mir zu nehmen.

Ich bin stolz, zu dieser Entscheidung gekommen zu sein, denn es war ein ja zu mir und nicht zu einer fixen dee davon, wie etwas zu sein hat. Ich habe mir und meinem Hunger vertraut, da ich in den letzten Jahren den Unterschied zwischen körperlichem Hunger und emotionalem Hunger kennengelernt hatte.

Seinem eigenen Körper vertrauen lernen

Was habe ich nun aus all diesen Experimenten der letzten 20 Jahre gelernt? Zunächst einmal, dass es einfach seine Zeit braucht, bis man sein Körpergefühl wirklich kennen- und vertrauen lernt. Den Einfluss der Lebensmittel auf den Körper wahrzunehmen braucht viel Übung. Es war definitiv eine lange Reise für mich und ich beobachte und lerne immer noch ständig Neues. Es gab dabei auch viele Fehlgriffe und jede Menge Frustration.

Je mehr ich aber tatsächlich über Projekte wie 10 Tage im Schweigekloster oder ein Whole30 über mich lernte, desto besser konnte ich meine Ernährung solide im Alltag durch stressige und entspannte Phasen steuern.

Ein Gesellschaftlicher Blick

Meine Gedanken heute drehen sich zum Glück auch nicht mehr so viel ums Abnehmen oder darum, einem bestimmten Bild zu entsprechen. Aber das war nicht immer so, denn es spielte definitiv in meinen 20ern und frühen 30ern eine große Rolle. Auch wenn ich neben dem Thema „gute Figur“ auch immer weitere gute Gründe für Sport und gesunde Ernährung gefunden habe, so waren dies doch stetige Begleiter in meinem Denken und meiner Motivation.

Generell verstehe ich heute, dass der Diätenwahn von Brigitte und Co. tatsächlich absoluter quatsch ist und auch absolut Antifeministisch. Ich kann mich selbst von den vielen gesellschaftlichen Erwartungen aber nur schwer lösen. Zudem weiß ich, dass hinter dem oft als oberflächlich abgestempelten Schönheitswahn natürlich sehr tiefe, menschliche Bedürfnisse stecken. Wir wollen alle dazugehören und geliebt werden. Die Bedürfnisse habe ich natürlich auch.

Aber wenn ich mir die Einkaufswagen anderer Leute im Supermarkt ansehe, oder Zahlen zum Thema Übergewicht in unserer Gesellschaft lese, dann weiß ich: wie wir uns ernähren ist ein unheimlich wichtiges und auch politisches Thema. Das Thema sollte nicht als Schlankheitswahn und damit als politisch als irrelevant abgestempelt werden. Vielleicht ist das auch nur der Versuch des starken Wirtschaftssystems Lebensmittelindustrie, uns von den relevanten Fragen abzulenken. Die relevanten Fragen sind in meinen Augen:

  1. Was eine gesunde oder ausgewogene Ernährung wirklich ist?
  2. Wie eine gesunde oder ausgewogene Ernährung bezahlbar und zugänglich gemacht wird?
  3. Wie eine gesunde oder ausgewogene Ernährung eine wichtige Basis für körperliche und emotionale Gesundheit darstellen?

Je mehr ich über das Thema lerne, desto selbstbewusster bin ich und desto klarer wird mir auch, dass es nicht den einen richtigen Ansatz gibt. Es ist eben ein komplexes Thema mit vielen Zusammenhängen. Wenn es nicht so wäre, hätten wir die perfekte Diät nach all den Versuchen der Brigitte sicherlich schon gefunden, oder?

Wenn du mehr darüber wissen möchtest, welche Bücher und Dokumentationen mich zu dem Thema geprägt haben, dass schau auf meinem Patreon Spezial vorbei. Da teile ich 11 Bücher, 2 Blogs und 11 Dokumentationen mit dir, die ich gelesen und gesehen habe. Dort findest du auch eine Audiovision dieses Artikels mit weiteren Anmerkungen.

Nächste Woche geht es dann hier weiter mit Teil 2: die Basics und Theorien, die mir geholfen haben, dieses komplexe Thema besser zu verstehen. Abonniere doch am besten meinen Newsletter, dann verpasst du keinen Blogpost mehr.

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