Mal ehrlich: ich bin ein Optimierungs-Junkie. Kaum ein Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe handelte nicht von Personal oder Spiritual Growth, kein Youtube Kanal oder Podcast, den ich gehört habe, in dem es nicht um gesünderes Leben, Yoga, Meditation oder Coaching ging.

Und in den kommenden Wochen naht nach dem neuen Jahr nun die zweite Boom-Phase für die Wellness-Branche: die Fastenzeit. Und für die meisten steht wohl hierbei auch hauptsächlich wieder das Thema Ernährung im Vordergrund: weniger Süßigkeiten, keinen Alkohol, keine Zigaretten, sind wohl die Dingen, die den meisten als erstes einfällt, wenn es um das Thema Fasten geht.

Ich hatte ursprünglich geplant, die Fastenzeit auch für mein Coaching-Business zu nutzen und nicht nur selber zu fasten, sondern gleich ein paar Klienten dabei zu unterstützen. Doch ich merkte: es fühlt sich für mich gerade nicht richtig an. So gar nicht.

Warum ist das so? Darüber habe ich eine Weile nachgedacht und folgendes ist mir aufgefallen:

Zur Zeit bin ich super zufrieden mit meiner Ernährung, meinem Schlafverhalten und damit, wie viel Sport und Bewegung in meinem Alltag ist. Dies ist zunächst ja mal eine grandiose Erkenntnis, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich seit Januar wieder 40-Stunden voll in einem Büro-Job arbeite und nebenbei mein Coaching Business habe, Yoga unterrichte und auch noch Zeit mit Freunden und neuen Dates verbringe. (- Ja, du darfst an dieser Stelle neidisch sein und ja, ich verrate dir gerne alle meine Tipps, wie ich es hinbekomme, dafür gibt es mein Coaching 😉 )

Ich kam zu folgender Erkenntnis: mein primärer Fasten-Treiber ist also auch geprägt durch das Bedürfnis, gesünder zu leben, mich zu optimieren, vielleicht ein wenig abzunehmen. Und dieses Bedürfnis ist zumindest derzeit sehr befriedigt.

Ist das denn aber alles, was uns die Fastenzeit bieten kann?

Die Geschichte der Fastenzeit geht soweit ich weiß Jahrtausende zurück und kommt aus dem Christentum. Der Grundgedanke ist Reue und durch Reue zu Gott zu kommen. Diese Einstellung des Buße-Tuns ist bis heute tief in unserer Kultur verankert. In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich mehr per Zufall mit dem Thema Zen-Buddhismus sowie Achtsamkeit beschäftig und folgendes Konzept räsoniert gerade sehr mit mir: Der Gedanke, dass ich nicht „büßen“ muss, wie es im Christentum üblich ist, um Gott* für mich zu gewinnen sondern statt dessen anzunehmen, dass ich so geschaffen bin, damit ich einen bestimmten Zweck erfüllen kann. Also ist alles an mir gut und richtig, sofern ich aus dem Herzen handele. Und ich ehre Gott* am meisten, wenn ich mich komplett annehme und feiere und meinem Herzen folge.  (*für mich ist es Gott, aber ersetzte an dieser Stelle Gott durch die spirituelle Kraft, die für dich höher ist als du selbst!)

Und mit diesem Gedanken liegt die Antwort auf die Frage: was mache ich zur Fastenzeit plötzlich auf der Hand: ein Fasten vom „Fasten“. Ein Fasten vom Optimieren. Ein Fasten vom „Besser“ werden.

Statt dessen wünsche ich mir: ein Feiern von dem, was gerade ist. Ein einfach weiter so, ein jetzt-nicht-nachlassen aber nicht-noch-mehr-machen-müssen. Und genießen. Und gut fühlen. Ein ankommen in Zufriedenheit, Dankbarkeit und dem, was ist.

Und so sieht mein Detox-Detox wahrscheinlich aus:

  • Ich lese mal wieder einen Roman
  • Ich feiere meinen Körper jeden Morgen, so wie er ist, indem ich nackt durch die Wohnung tanze
  • Ich verbinde mich jeden Tag mit Dankbarkeit für all das, was ich habe
  • Ich feiere jeden Morgen mein Leben – die Dinge, auf die ich stolz bin und die, auf die ich nicht so stolz bin
  • Ich mache all die Dinge, die ich tue, mit Leidenschaft und Freude
  • Ich gehe aus: Tanzen, Lachen, Singen, Flirten

Was sind die Dinge, die dich während der Fastenzeit wieder näher zu dir selbst bringen und mit dem verbinden, was für dich größer ist als du selbst?