Das blöde an persönlicher Weiterentwicklung ist manchmal, dass man an Punkte kommt, an denen man denkt: wie konnte ich damals nur so blöd sein?

Kennst du das? 

So erging es mir in den letzten Monaten beim Thema Ernährung und Body Positivity, was besonders dadurch herausfordernd war, da es ja meine Coaching Arbeit direkt betrifft. 

Eine gesündere Perspektive dafür ist natürlich, einfach anzuerkennen, dass ich ohne meine frühere Einstellung, Erfahrung oder Glaubenssätze heute nicht erkennen würden, was daran vielleicht falsch oder nicht so richtig hilfreich ist.

Seit Wochen habe ich bereits auf meiner To-Do-Liste einen Blogpost zum Thema Body Positivity und Fat Shaming zu schreiben, aber erst jetzt fühle ich mich dazu wirklich bereit. Und ich beginne damit zu sagen: ich sehe mich hier nicht als Expertin und habe selber noch ein großes Lernfeld vor mir.

Ich habe aber durch meine eigenen Experimente und Erfahrungen, sowie durch die Arbeit als Coach einige Erkenntnisse darüber gewonnen und ich möchte dich heute dazu einladen, dieses Thema für dich einmal kritisch zu beleuchten.

Beginne wir zunächst damit, was “Body Positivity” eigentlich ist. 

Body Positivity wird als Bewegung beschrieben, die sich für die Abschaffung unrealistischer und diskriminierender Schönheitsideale einsetzte. 

Weiter in Wikipedia: “Ziele der Bewegung sind das Bekämpfen unrealistischer Schönheitsideale, die Stärkung des Selbstwertgefühls des Einzelnen und des Vertrauens in andere Menschen. Die Bewegung weist ebenfalls darauf hin, dass Schönheitsideale Konstrukte der Gesellschaft sind und dass diese Ideale das eigene Selbstwertgefühl nicht beeinflussen sollten. Die Grundidee der Bewegung ist, dass sich Personen in ihrem Körper wohlfühlen und ihre körperlichen Eigenheiten akzeptieren sollten.”

Die Themen Diskriminierung, soziale Gerechtigkeit und Diversität spielen hierbei ebenso eine große Rolle, jedoch verwenden mittlerweile viele Konzerne den Begriff für eigene Marketingzwecke, wodurch natürlich die ursprüngliche Idee verwässert wird.

Daher verwenden einige mittlerweile lieber einen anderen Begriff, wie Body Neutrality, da der Figur durch den Begriff Body Positivity weiterhin viel zu viel Bedeutung beigemessen wird, was an der Selbstobjektifizierung nichts ändert.

Wenn ich es richtig verstehe, geht es im Grunde darum zu verstehen, wie bestimmte Schönheitsideale erschaffen und ausgenutzt werden, um Frauen zu unterdrücken und zu kontrollieren, indem sie sich selbst Objektifizieren.

Sprich: Frauen werden anhand eines für die meisten Menschen unerreichbares Schönheitsideals bewertet bzw. bewerten sich selbst und ihren Selbstwert daran, wie nah oder weit entfernt sie von diesem sind.

Die eigene Selbstbewertung finde ich dabei persönlich so erschütternd, und ich denke, jede von uns kennt es, wenn Sie ehrlich ist.

Ich natürlich auch. Und das tut ganz schön weh. Und noch viel schlimmer: auch ich habe sicherlich oft andere daran gemessen, bewertet und immer wieder die damit einhergehenden “Phrasen” unserer Diätkultur (englisch “diet culture”) unreflektiert weitergegeben.

Sollte ich dich dabei verletzt oder getriggert haben, tut es mir wirklich wahnsinnig Leid.  Ich bin dabei, diese Fehler zu erkennen, einzusehen und bemühe mich darum, es besser zu machen.

Mein großer Aufwachmoment passierte im letzten Jahr, als ich merkte, wie eine kohlenhydratarme Ernährung bei hohem Aktivitätslevel für mich nicht ausreicht. Kurze Zeit darauf postet mein bisheriges Ernährungsvorbild ein Foto in ihrer Story, auf dem sie ein Sandwich oder auch Haferflocken aß, obwohl sie seit Jahren darüber schreibt, dass sie solche Kohlehydrate einfach nicht braucht und sie ihr nicht gut tun. Plötzlich wurde mir klar, dass mein schlechtes Gewissen nach jeder Scheibe Brot nicht nur völlig Fehl am Platz, sondern auch das Resultat von unechtem und übertriebenem Marketing war. 

Es gelang mir, mich mehr und mehr von dem Druck der “perfekten Ernährung” zu lösen, dem ich in den letzten Jahren in der Yoga- und Wellnesbranche immer wieder verfallen war. 

Ich erkannte ebenso, dass mein eigenes 90Days! Projekt zu etwa 30% nur dadurch getrieben war, dass ich selber meine Figur und mein Ernährungs- und Bewegungsprofil nach Außen optimieren wollte, um so mehr Anerkennung und Glaubwürdigkeit zu erzielen. Jedoch wurde mir während der 90 Tage klar, wie viel mehr Kraft hinter den Routinen eigentlich und dass eine “Instagram perfekte Ernährung” nicht dazu gehört.

Seither arbeite ich daran, mehr und mehr zu mir selbst zu stehen und mich von den vermeintlichen äußeren Zwängen zu lösen. Zu dem Irrglauben gehören folgende Sätze:

  • Ich treibe Sport, um meine Figur zu optimieren. 
  • Ich wirke nach Außen erfolgreicher, wenn ich dünn und durchtrainiert bin.
  • Wenn ich dünn und durchtrainiert bin, wirke ich disziplinierter und habe schneller eine größere Vorbildfunktion als Apothekerin und Health Coach. 
  • Ich selber werde glücklicher und zufriedener sein, wenn ich dünn und durchtrainiert bin. 

Das alleine reicht bei dieser Arbeit jedoch nicht aus. Denn ich stelle immer wieder fest, wie tief verwurzelt die Stigmatisierung von Menschen mit “Übergewicht” sitzen, wie wenig wir eigentlich darüber verstehen, wie sehr aber auch die Pharmabranche ihren Teil dazu beiträgt. “Fat Shaming” ist nämlich etwas, dass sogar in meinem Pharmazie-Hörsaal stattgefunden hat. Ich kann nur erahnen, wie sich einige meiner Kommilitonen dabei gefühlt haben müssen. 

Und die Vorurteile, das Menschen, die dem unrealistischen Schönheitsideal nicht entsprechen, nur “faul” seien, über keine “Selbstbeherrschung” verfügen oder einfach “nicht so intelligent” seinen, sind hartnäckig und leider sogar oft Teil unserer Alltagssprache. Vor allem, wenn wir über das Thema Gewichtsreduktion sprechen. 

  • Sätze wie “ich fühle mich so fett” oder “aufgebläht”. 
  • Aussagen wie “Sie sieht so gut aus trotz ihres Übergewichts” oder ein Kompliment machen, wenn man vermeintlich Gewicht verloren hat “Wow, hast du abgenommen, du siehst so gut aus?”

All diese Sätze zeigen, wie tief unsere eigene Fettphobie sitzt bzw. wie alltäglich wir Fat Shaming betreiben.

Und genau hier stehe ich selber erst am Anfang, meine eigene Sprache sowie die mir ständig vorliegende Sprache der Wellness-Branche bewusster wahrzunehmen und zu reflektieren. 

Daher finde ich die Body Positivity Bewegung sehr wichtig, sehe jedoch auch, wie sich daraus einfach eine neue Sprache für die Wellness Industrie entwickelt hat, mit der einfach alte Glaubenssätze in neuem Gewand weitergegeben werden.

  • “This is not a diet” – Diäten, in denen es nicht um Abnehmen geht, aber durch Bildsprache und Suggestion das Ziel am Ende doch eine dünne und durchtrainierte Figur sind.
  • “Zuckerfrei”, “vegan”, “glutenfrei” oder “natürlich“ als vermeintlich “gesündere” Lebensmittel. 
  • Überhaupt die Bewertung von Lebensmitteln als gut oder schlecht. 

Ein tatsächlich “gesunder” Umgang mit Ernährung sieht doch so aus, dass ich Essen kann, was ich will und auch nicht essen kann, was ich will, wann ich es will, ohne mich dabei schlecht zu fühlen. 

Genauso Sport. Ein “gesunder” Umgang damit ist, dass ich Bewegung und Sport mache, wann ich es will, und auch mal einen Tag nur auf der Couch liegen kann, ohne schlechtes Gewissen. 

Zum Schluss habe ich noch eine Video-Empfehlung für dich zu dem Thema. Möge auch dir die Auseinandersetzung mit dem Thema etwas Entspannung in das ganze Thema Ernährung bringen. 

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