Das ist die Menge CO2, die ich alleine durch alle meine Flugreisen verursacht habe. Das kann man ganz einfach berechnen lassen, zum Beispiel beim Umweltbundesamt.*1

Würde ich diese kompensieren wollen, käme ich bei dem von Fridays for Future geforderten Preis von 180 Euro pro Tonne CO2*2 auf über 12000 Euro. Das ist mal ein nettes Sümmchen.

Genau da, so vermute ich, liegt ein Problem beim Klimaschutz. Diese Summe ist so hoch, dass ich ein wenig gebraucht hatte, um meine Scham in den Griff zu bekommen.

Eike Feldmann

Diese Scham braucht es aber als Antrieb für echte Veränderung. Egal, ob ich eine Sportroutine, mein Essverhalten oder meinen CO2-Fußabdruck ändern möchte, bis ich mir gegenüber nicht ehrlich bin und mir anschaue, wo ich stehe und dafür 100% Verantwortung übernehme, wird sich so schnell nichts ändern.

Also Augen auf, Daten gesammelt, angeschaut und dann die ersten Schritte Richtung Verantwortung machen.

Dabei frage ich mich allerdings: warum stehen wir heute da, wo wir sind, beim Thema Klimaschutz? 

Letzte Woche bei meinen Eltern habe ich meine alten Grundschulunterlagen in der Hand gehabt. Bereits in der 3. Klasse war das Thema Klimawandel ein Thema. Das war 1993. Und fast 30 Jahre später diskutieren wir immer noch mehr darüber, ob er nun von uns Menschen gemacht ist, als darüber, wie wir ihn aufhalten?!

Ein zweites Problem sehe ich in unserem menschlichen Verhalten selbst. In einem thematisch ganz anderen Buch las ich darüber, warum der Mensch seit der Einführung der Emails so viel mehr digital kommuniziert, als er vorher über Brief, Telefon oder Hauspost getan hat. Dazu wurden einige Studien und Untersuchungen gemacht und die Antwort in kurz lautet: weil es bequem ist und schnell geht.

Es gab das Beispiel des Chefs, der 2 Türen weiter im Büro sitzt. Nach einer Änderung der Firmenpolice zur Verwendung von Emails ging er nicht die ganze Zeit zwei Türen weiter, um seinem Mitarbeiter viele neue Aufgaben zu delegieren, wie er es sonst über Email täglich tat. So wichtig waren die Aufgaben dann wohl nicht.*3

Diese Bequemlichkeit des Menschen kennen wir alle, oder? Und wenn man jetzt einmal zurückblickt, ist da doch viel wahres dran. Seit Einführung des Internets verbringen wir nicht einfach so viel Zeit, wie wir vorher Fernsehen geguckt haben, im Internet. Es ist einfacher geworden und wir sind heute alle ständig online.

Streaming und Datenspeicherung haben übrigens ebenfalls einen großen Einfluss auf den CO2-Ausstoß. Die ganze Online-Zeit und Datennutzung läuft ja nur, weil es unendlich viele riesige Server gibt, die große Mengen an Strom verbrauchen.*4

Und durch unsere Bequemlichkeit nehmen wir halt meistens den einfacheren Weg. Dieser verursacht leider jede Menge Müll, Energieverschwendung und damit CO2. Sei es dir kurze oder lange Fahrt mit dem Auto, der Flug irgendwohin, die Essenslieferung von Lieferando. Es gibt so viele Beispiele, wo der bequeme und einfache Weg leider immer der dem Klima schadende Weg ist. So haben wir uns unsere Welt gebaut und arbeiten weiterhin daran, uns diese Bequemlichkeit zu behalten. 

Scham, Bequemlichkeit – zwei Faktoren, die uns davon abhalten, unser Verhalten zu ändern. Ist es das schon? Ich sehe hier mindestens noch einen dritten: unser Gruppenverhalten.

Eike Feldmann

Wir alle haben die gleichen Grundbedürfnisse. Bei jedem sind sie anders ausgeprägt aber im Grunde haben wir alle die gleichen. Sie sind evolutionär bedingt, sitzen vermutlich im Stammhirn und können nicht verändert werden. Es gibt eine Menge verschiedener Modelle, ich arbeite gerne mit folgendem: Sicherheit, Dominanz und Variabilität. 

Wir alle haben also ein Grundbedürfnis nach Sicherheit. Das bedeutet auch, dass wir dazugehören wollen. Denn, früher (wie heute) gab es nichts schlimmeres, als ausgestoßen zu werden aus seiner Gruppe. Wir haben daneben ein gewisses Geltungsbedürfnis (Dominanz). Wir wollen uns durchsetzen und behaupten, unsere Stellung innerhalb der Gruppe finden. Und wir brauchen Abwechslung im Leben (Variabilität). Auch das leben wir mit Hilfe unserer Gruppe aus.

Um unseren Platz in unserer Gruppe (Familie, Arbeitsplatz, Sportverein, Gaming-Community…) zu bewahren, schwimmen wir mit dem Strom. Dank modernster Technologie in Form von Internet, Handy und Co wird uns das Mitschwimmen besonders einfach und bequem gemacht.

Je mehr wir dabei online sind, desto mehr wird unser Mitschwimmen vielleicht durch andere weiter beeinflusst. Google, Facebook und Co sammeln stündlich so viele Daten über dich, dass sie dich besser kennen, als du selbst*5. Einige sind mittlerweile der Meinung, dass dieses Mitschwimmen beim Thema Klimaschutz kein Zufall ist, sondern von einigen gewollt. Dazu werden gezielte Informationen verbreitet, die bewirken, dass es einfach immer so weiter geht und sich nichts grundsätzlich ändert.

Nun, ich habe zu diesem Thema ebenfalls viel recherchiert. Je mehr ich darüber (in Büchern5,6) lese, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass da vermutlich noch viel mehr dran ist, als wir uns vorstellen können. Aber es ist auch viel komplizierter, als dass es da die eine böse Gruppe gibt, die uns beeinflusst. An eine Verschwörung glaube ich nicht. Viel mehr wächst uns diese Technologie vielleicht gerade ein wenig über den Kopf und vergrößert dabei die Kluft zwischen denen, die dir Technologie nutzen, und denen, die damit benutzt werden. Naja, vielleicht ein Thema für einen neuen Artikel.

Zurück zum Thema Klimawandel und unserem eigenen Beitrag. Den können wir zumindest erst einmal einfacher verändern, als den anderer Firmen und Länder. 

Ein Bewusstsein entwickeln, beobachten, was in uns und um uns herum wirklich passiert und viele kleine Schritte zur Veränderung machen. Das ist der einzige proaktive Weg zu Veränderung.

Eike Feldmann

Und ja, das bedeutet, dass man ab und zu (oder eben immer) den unbequemeren Weg gehen muss. Aber ich verrate dir was: der unbequeme Weg lohnt sich fast immer.

Es ist wie beim Wandern. Du kannst den ausgetretenen Pfad nehmen, den alle gehen. Oder den schwierigen, manchmal auch steilen Trampelpfad. Dieser steile Trampelpfad testet dich und dein Durchhaltevermögen, aber hinter her bist du stärker und hast viel mehr zu erzählen plus, du hast vermutlich den kleinen Wasserfall gesehen, den alle anderen, die den Hauptweg gegangen sind, verpassen.

Das Gute ist: der Geheimtipp spricht sich bald rum und irgendwann schwimmen dann alle wieder mit, vielleicht ja auch den unbequemen Trampelpfad hinauf.

Ich teile im Anhang mit dir ein paar hilfreiche Tipps und Links, mit denen du beginnen kannst. Wenn du schon fertig bist mit den Anfänger-Tipps, wie viele von uns, habe ich auch noch ein paar Profi-Tipps. Auf gehts, ich wette, egal wie gut und reflektiert du schon bist, dass du immer noch etwas verbessern kannst. 

Anfänger: 

  • Berechne deinen CO2-Fußabdruck
  • Schaue dir dann deine großen Einflussbereiche an und beginne dort mit Änderungen
  • Reduziere oder eliminiere deinen Plastikverbrauch im Haushalt
  • Fahre weniger mit dem Auto und mehr mit dem Fahrrad oder gehe zu Fuß
  • Kaufe weniger neu ein. Suche zunächst Alternativen Second Hand. Das geht bei fast alles Dingen, die wir brauchen. Kleidung, Elektronik, Bücher, Haushaltswaren. Mittlerweile findet man alles Second Hand. 
  • Melde dich in der Stadtbücherei an, um Bücher auszuleihen.
  • Kaufe nicht online ein und verzichte auf den Lieferservice von Essen.
  • Habe immer einen wiederverwendbaren Kaffeebecher dabei, für einen spontanen Coffee to Go oder auch ein Eis im eigenen Becher.
  • Sortiere deinen Besitz und mache dir ein Bild davon, was du verwendest und was nicht. Spende oder verkaufe selber Dinge, die du nicht länger benötigst und die sonst nur Staub sammeln in deinem Regal oder deinem Keller. Damit stärkst du selber den Second Hand Markt und machst es anderen einfacher, hochwertige Dinge Second Hand zu erwerben.
  • Ändere deinen Stromanbieter zu einem, der Ökostrom erzeugt.
  • Schalte Geräte aus, die du nicht mehr verwendest. Schalte auch Nachts Geräte wie deinen WLAN-Router ab. 
  • Repariere defekte Wasserhähne oder Kühlschranktüren. 
  • Halte ein paar Grünpflanzen in deiner Wohnung und/oder auf deinem Balkon/Garten. 
  • Lese und Recherchiere weiter zum Thema Klimaschutz und was du tun kannst.
  • Sprich mit Kollegen und Freunden über das Thema.
  • Kompensiere den CO2-Verbrauch, den du auf Reisen erzeugst, wenn du auf die Reise nicht verzichten willst. Zum Beispiel hier.
  • Mache Klimaschutz zu einem entscheidenden Kriterium für deine nächste Wahl.
  • Reduziere deine Internet- und Streaming-Nutzung.
  • Lösche nicht benötigte elektronische Daten von deinen Geräten und aus den Clouds. 
  • Verwende auch de Rückseite von Papier.
  • Überlege, wie du Dinge aus deinem Haushalt wiederverwenden kannst. Gläser kann man zur Aufbewahrung nutzen, Zeitung als Geschenkpapier. Werde kreativ. 

Profi: 

  • Berechne deinen Ziel-CO2-Fußabdruck. Was musst du ändern, um deinen Zielzustand zu erreichen?
  • Engagiere dich bei einer Organisation, die sich für den Klimaschutz einsetzt
  • Kläre Nachbarn und Freunde auf. Lese dich weiter in die Thematik ein, damit du mitdiskutieren kannst.
  • Prüfe, in wie weit du dein Haus, deine Wohnung noch weiter klimabewusst optimieren kannst
  • Gewöhne dich im Winter an kältere Temperaturen und heize nicht so viel.
  • Lege dir einen eigenen Kompost-Müll zu
  • Nutze Apps wie Too Good To Go oder Anbieter wie Motatos, die Lebensmittel vor ihrer Vernichtung bewahren.
  • Schreibe Firmen an und gebe Ihnen Feedback dazu, wie du ihre Ökobilanz findest und frage sie nach ihren Plänen, um nachhaltiger zu werden.

In meinem Patreon Exklusiv erzähle ich heute noch mehr darüber, welche Schritte ich in den letzten Monaten noch gemacht habe. Unterstütze jetzt meine Arbeit über Patreon und erhalte wöchentliche Coaching-Impulse, zusätzliche Artikel und Worksheets und Zugang zu meiner privaten Coaching-Plattform auf Skool.

Quellen:

  1. https://uba.co2-rechner.de/de_DE/mobility#panel-calc
  2. https://fridaysforfuture.de/forderungen/
  3. A World Without Email, Cal Newport
  4. https://utopia.de/ratgeber/streaming-dienste-klima-netflix-co2/
  5. 10 Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst , Jaron Lanier
  6. Digitaler Minimalismus, Cal Newport

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